header-links Federreich-Geschichten header-rechts
Startseite  •  Geschichten  •  Gedichte  •  Gästebuch  •  Links  • Impressum


Die Geschichte von dem Auto, das Angst hatte

Feder

(Geschichte von Bärbel Zimmermann, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

Es war einmal ein kleines Auto, das gehörte einer älteren Dame. Nun, so alt war sie vielleicht noch gar nicht, aber in der Auto-Zeitrechnung wäre sie sicher schon längst verschrottet worden. Bei den Menschen ist das etwas anders, und die Dame beschloss, sich noch einmal im Leben ein neues Auto zu kaufen.

Natürlich hatte das kleine Auto immer wieder gehört, wenn davon gesprochen wurde. Es war zu alt geworden, dabei sind  gerade mal zehn Jahre für ein Auto doch nicht alt. Es war nicht kaputt, hatte kaum Krankheiten hinter sich, es hatte doch immer seinen Dienst getan und sollte nun einfach so entsorgt werden? Vor einiger Zeit hatte es neben einem wirklich alten Auto gestanden, und während die Dame einkaufen ging, unterhielten sich die beiden. Das ganz alte Auto sollte verschrottet werden und bei dem Gedanken klapperten seine Stoßstangen vor Angst. Beim Verschrotten, so erzählte das ganz alte Auto, gibt es einen Kran mit einem schrecklichen Greifer, der ganz große Zähne hat. Diese Zähne halten einen fest, zerbeulen die Karosserie und schmeißen einen auf einen großen Haufen mit anderen alten Autos. Oder es gibt eine Presse, mit der ein altes Auto einfach zusammengequetscht wird.

Nun sollte das kleine Auto verkauft werden. Aber an wen? Es mochte sich gar nicht ausmalen, was mit ihm passieren würde, wenn es keinen neuen Menschen geben würde, dem er gefiel. Noch immer hörte er das angstvolle Klappern des anderen Autos.

Schneller als ihm lieb war, kam der Tag, an dem die ältere Dame sich ihr neues Auto abholen konnte. Silberfarben, so was angeberhaftes. Am liebsten wäre es dagegen gefahren und hätte es wenigstens ein bisschen verbeult, aber das macht ein anständiges kleines Auto natürlich nicht. Nicht mehr einen Blick zurück hatte sie für ihn. Traurig stand das kleine Auto zwischen anderen Autos, die auch verkauft werden sollten. Würde es jemandem gefallen? Dürfte es bald wieder fahren?

Erst ein paar Stunden waren vergangen, da kam der Werkstattbesitzer mit einer Frau auf das kleine Auto zu. Eigentlich sah sie ganz nett aus und sie schien ganz begeistert zu sein. Das kleine Auto nahm sich vor, sich bei einer Probefahrt ganz besonders anzustrengen. Und tatsächlich, die Frau stieg ein und fuhr los. Das kleine Auto ließ seinen Motor ganz sanft und leise schnurren, sorgte dafür, dass sich die Gänge mühelos schalten ließen und hatte sich schon ein kleines bisschen mit seinem Schicksal ausgesöhnt. Ob es wohl überzeugt hatte? Die Frau fuhr zu ihrem Freund, der sah eigentlich auch ganz nett aus, jedenfalls so, als sei er gut zu einem kleinen Auto. Und es schien ihm so, als würde es dem Freund auch gefallen.

Wieder zurück in seiner Werkstatt war das kleine Auto nicht mehr ganz so traurig, ein klein bisschen war Hoffnung aufgekeimt. Nun gut, einen Tag müsste es erstmal warten, bis eine Entscheidung fiel, aber die anderen Autos hatten schon viel länger da gestanden und die hatte die Frau nicht mal angesehen. Bestimmt war es das schönste und beste Auto auf dem Platz!
Abends fuhr die Frau noch einmal vorbei, und tatsächlich hatte sie ihm zugezwinkert. Ganz bestimmt. Das kleine Auto konnte vor Aufregung kaum schlafen. Am nächsten Morgen wurde es in die Werkstatt gefahren, weil ein Mann vom TÜV gucken wollte, ob alles in Ordnung war. Das konnte doch nur Gutes bedeuten. Und richtig, die nette Frau wollte es kaufen. Sogar eine Wunsch-Autonummer sollte es bekommen, eine ganz besondere Nummer. Das kleine Auto war wieder glücklich. Und es nahm sich vor, gut zu fahren und sehr auf sich zu achten, damit es noch ein langes und schönes Autoleben haben würde.

 

nach oben

Startseite  •  Geschichten  •  Gedichte  •  Gästebuch  •  Links  • Impressum