
(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)
Fridolin und Fridoline gehörten zu einer großen Mäusefamilie. Eigentlich waren sie ja Feldmäuse und lebten mit Papa Fritz, Mama Frieda und all ihren vielen Geschwistern auf einem großen Kartoffelfeld. Doch eines Tages war es passiert. Gerade knabberten Fridolin und Fridoline einträchtig an der gleichen Kartoffel, da wurden sie plötzlich hochgehoben und landeten, sie hatten kaum bemerkt wie überhaupt, mit vielen Kartoffeln in einem großen Sack. Darin war es ziemlich eng und ungemütlich, doch wenigstens zu essen gab es genug.
Nach einer gewissen Zeit spürten sie jedoch, wie der Sack ausgeleert wurde, und so landeten sie im Haus, besser gesagt, im Keller von Svenja und Alexander. Was sollten sie hier bloß tun, hier war es so eng. Doch irgendwie versuchten die beiden nun, es sich so gemütlich wie möglich zu machen.
Fridoline baute ein Bett aus Kartoffelschalen unter der Kartoffelkiste. Fridolin meinte, er müsse sich erst mal bewegen und raste dreimal um die Kiste herum. Zu Hause, auf dem Feld, war er auch immer derjenige mit dem morgendlichen Trimmprogramm gewesen. Als er sich dann endlich ausgetobt hatte, war er bereit, beim Einrichten ihrer Mäusewohnung mitzuarbeiten. Zum Glück wurden in dem gleichen Keller auch Äpfel aufbewahrt, so konnten sie einen abwechslungsreichen Speiseplan erstellen, Kartoffeln mit Äpfeln, Äpfel mit Kartoffeln, Kartoffeln pur, oder nur Äpfel.
In dem Keller gab es auch ein kleines Fenster nach draußen, und Fridolin baute gleich aus Apfelschalen zwei Fernsehsessel, und so machten sie es sich gemütlich und schauten fern, Menschenschuhe, kleine und große, schwarze, rote, braune, auch mal Stiefel, Kinderwagenräder, Hundebeine, Stöcke, Räder, also insgesamt ein abwechslungsreiches Programm. Als es dunkel wurde, gingen sie auch direkt in ihr Kartoffelschalenbett und schliefen gleich ein. Sie träumten allerdings in der Nacht von ihrer Heimat, dem großen Kartoffelfeld und von ihrer großen Familie.
Als Fridoline aufwachte, war ihr Bruder schon beim Frühsport, er jonglierte
mit Apfelkernen und stemmte anschließend Apfelstiele. Fridoline bereitete
das Frühstück vor, Apfel pur, einen roten für ihren Bruder, und für sie selbst einen gelben, Vitamine zum Frühstück sollen ja gesund sein. Endlich war Fridolin fertig mit seinem Frühsport, nach dem Kartoffelstückchenweitwurf, dem Rundenlauf um die Apfelkiste, und waghalsigen Kletterpartien an der Wand, war er ganz schön hungrig.
Nach dem Frühstück dachten sie an Finchen, ihre kleine Schwester, mit ihr hatten sie immer so gerne am Morgen gespielt. Sie verbrachten den Tag damit, sich Geschichten von ihrer Heimat zu erzählen, und bekamen wieder so richtig Sehnsucht nach Zuhause.
Am Nachmittag schnupperte Fridolin plötzlich ganz doll. Er unterbrach seinen Kartoffelhürdenlauf und fragte seine Schwester: “Riechst Du es nicht, es riecht hier jetzt sooo lecker.“ Da merkte Fridoline es auch. „Ich glaube“, schnupperte sie, es riecht nach Plätzchen, hmmmm, lecker. „Wo kommt das bloß her, dieser Duft?“ fragten sie sich.
Über ihnen hatten Svenja und Alexander tatsächlich gerade Plätzchen gebacken, denn schließlich war bald Weihnachten. Alexander durfte nur eins probieren, dann packte seine Mutter die anderen in eine große Blechdose, und stellte sie in den Schrank im Flur. Am Abend, kurz vor dem Schlafengehen, konnte Alexander es aber nicht mehr aushalten. Die Plätzchen waren doch soo lecker. Als seine Mutter im Bad war, schlich er schnell in den Flur, öffnete die Dose und nahm sich schnell noch ein Plätzchen, hm, lecker.
Als über ihnen alles ruhig war, beschlossen Fridolin und Fridoline, dem Geruch mal nachzugehen, und zu schauen, ob sie nicht was Leckeres finden würden. Also schlüpften sie unter der Kellertür durch, die steile Kellertreppe hinauf, und in den Flur. Hier roch es immer stärker. Und als sie weiter schnupperten, fanden sie auch den Schrank, der zum Glück offen stand. Und die Keksdose war sogar offen. Nichts wie hinein, beschlossen sie, und schon ging das Festmenü los. Sie knabberten Keks um Keks, als hätten sie tagelang nichts gegessen. Sie waren aber auch soo lecker.
Als sie nun so richtig dick und satt waren, beschlossen sie, sich im Keller einen Vorrat von den restlichen Keksen anzulegen. Also mussten sie die Kekse nur noch in den Keller schaffen. Das war allerdings Schwerarbeit, denn ein ganzer Keks war sogar für Fridolin zu schwer. Einen halben schaffte er gerade. So bauten sie aus ein paar kleinen Keksen eine Wippe für die großen Kekse, die legten sie immer darauf, und sie sprangen solange darauf herum, Fridolin an der einen, seine Schwester an der anderen Seite, bis der Keks zerbrach und transportiert werden konnte. Nach vielen Stunden Arbeit war die Dose endlich leer, und der Platz neben ihrem Kartoffelschalenbett unter der Kartoffelkiste als Vorrat eingerichtet. Jetzt waren sie erstmal so erschöpft, dass sie sofort einschliefen, sogar ohne sich mit der Apfelschalendecke zuzudecken.
Als Svenja ihren Sohn am nächsten Tag in den Kindergarten bringen wollte, bemerkte sie die leere Keksdose im Schrank. „Alexander, rief sie, hast Du in der Nacht noch Kekse genascht?“ Alexander wunderte sich, er hatte doch nur einen genascht, hatte seine Mutter sie etwa alle gezählt?
„Ja“ antwortete er kleinlaut, „sie sind doch so lecker.“ „Aber Du hättest sie doch nicht gleich alle aufessen müssen“, schalt seine Mutter. „Alle? Nur einen habe ich doch gegessen“, gab Alexander zu. Da zeigte ihm Svenja die leere Dose, und beide wunderten sich. Da bemerkten sie plötzlich eine Spur von kleinen Krümeln, die in den Keller führte. „Könnte es sein“, fragte Svenja, „dass wir Mäuse im Keller haben?“
Sofort gingen Svenja und Alexander in den Keller, um nachzuschauen. Die Krümelspur führte geradewegs unter die Kartoffelkiste. Vorsichtig hoben sie zusammen die Kiste hoch. Und da lagen sie friedlich und schliefen, Fridolin und seine Schwester, noch im Schlaf hielten sie sich ihre dicken Keksbäuche fest.
„Das sind ja Feldmäuse“, sagte Svenja, „komm, auf dem Weg zum Kindergarten bringen wir sie zu dem Kartoffelfeld, das am Weg liegt.“
Schon holte sie einen großen Karton, stülpte ihn über die schlafenden Mäuse und schob sie dann mit einem anderen Stück Karton hinein.
Zu jeder anderen Zeit wären Fridolin und Fridoline dabei aufgewacht, aber heute schliefen sie so fest, dass sie nichts merkten. Erst als sie von Svenja und Alexander an dem Kartoffelfeld aus dem Karton geschoben wurden, waren sie wieder wach.
„Unsere Heimat“, jubelten sie, und sie machten sich sogleich auf den Weg zu ihrer großen Familie. Sie trafen denn auch gleich Fritz und Frida, ihre Eltern, Finchen und all ihre anderen Geschwister wieder und erzählten stundenlang von ihren Abenteuern, sogar Fridolin rannte erst am nächsten Tag wieder ums Kartoffelfeld.
Svenja und Alexander backten natürlich noch neue Plätzchen für Weihnachten, doch dieses Mal erst einen Tag vorher, man kann ja nie wissen. |