
(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)
(diese Geschichte hat die Autorin Gerhard zum 7. 1. 2004 gewidmet)
Alexander traf auf seinem Rückweg vom Kindergarten endlich mal wieder den kleinen Mann von nebenan. Ja, Alexander freute sich immer, wenn er ihn traf, er war immer so freundlich. Und seit er mit ihm auf dem alten Sofa an der Straße gesessen hatte, kam es ihm vor, als hätte er einen großen Freund gefunden in dem kleinen Mann. Er fegte, wie so oft, nicht nur vor seinem Haus, sondern auch vor den Nachbarhäusern. Heute sah er aber nicht so fröhlich aus wie sonst, Alexander merkte das sofort.
„Tut Dir was weh?“ fragte er ihn. „Nein, nicht wirklich“, wehrte der kleine Mann ab, „jedenfalls nicht äußerlich, mehr so drinnen, weißt Du?“ „Warum denn?“ Alexander wollte es mal wieder ganz genau wissen. „Ja, weißt Du, morgen habe ich Geburtstag, da werde ich 63 Jahre alt, und ich würde mich riesig freuen, wenn wenigstens ein paar Leute kommen würden, um mir zu gratulieren, aber ich wohne ja erst seit kurzer Zeit hier, und ich kenne noch so wenig Leute.“ „Dann feierst Du eben mit Leuten, die Du nicht kennst“, Alexander hatte sofort eine Lösung und erzählte dem kleinen Mann von seiner Geburtstagsfeier.
„Das war sicher schön“, antwortete der kleine Mann, „aber so etwas ist nichts für mich, weißt Du, ich will gar keine Feier mit Sackhüpfen und Topfschlagen und großem Essen. Meine Wohnung ist auch viel zu klein, und viel Geld habe ich auch nicht, nein, es wäre einfach nur schön, wenn mir ein paar Leute gratulieren und sich einfach nur treffen würden.“ „Gut“, sagte Alexander, „wenn das alles ist, dann komm doch morgen um drei mal raus, ich bin jedenfalls da, um Dir zu gratulieren, weil Du immer so nett bist, okay?“ „Okay“, sagte der kleine Mann und sah schon wieder richtig freundlich aus, so wie sonst.
Alexander ging nachdenklich nach Hause und erzählte auch gleich seiner Mutter davon. „Das muss doch zu machen sein, dem kleinen Mann eine Freude zu machen“, meinte Svenja, „ich bin jedenfalls dabei und vielleicht, ja vielleicht kommen noch ein paar Nachbarn mit, und Du kannst im Kindergarten fragen und….“. Svenja war kaum zu bremsen. Sie mochte den kleinen Mann auch gut leiden, das wusste Alexander.
Das Mittagessen aß Alexander heute besonders schnell. Dann sauste er los, zu all seinen Freunden. Und er schaffte es, wenigstens ein paar wollten vorbeikommen, einfach so, ohne Geschenk und ohne Feier, einfach weil der kleine Mann so nett war. Am nächsten Morgen fragte er auch noch im Kindergarten, und da sagten auch noch ein paar Kinder zu, aber Dunja nicht, die war krank.
Endlich war es drei Uhr, Alexander und Svenja gingen hinaus auf die Strasse vor das Nachbarhaus, in dem der kleine Mann wohnte. Da kamen auch die anderen, die Freunde und Nachbarn, sogar ein Autofahrer hielt an und fragte, was hier los sei. „Der kleine Mann hat Geburtstag“, beeilte sich Svenja, es ihm zu erklären, „wir wollen ihm gratulieren, kommen Sie, machen Sie mit.“ Verdutzt stieg der Mann aus und reihte sich ein. Dann waren alle bereit, dem kleinen Mann zu gratulieren. Alexander klingelte bei ihm, und kurz darauf kam er zur Haustür heraus, der kleine Mann. Da staunte er, dass so viele Leute gekommen waren…… Svenja stellte ihm
schnell den leeren Kakaokasten, der noch vor seiner Haustür stand, in die Mitte. Der kleine Mann kletterte darauf, so konnte er alle besser sehen. Ein bisschen verlegen wirkte er, doch alle konnten sehen, er freute sich riesig. Da legte er plötzlich seine Hände zusammen, und alle verstanden ihn, sie fassten sich an den Händen und schauten ihn an.
„Danke, danke, dass Ihr alle gekommen seid, das ist die größte Freude für mich. Ich will Euch ein Geheimnis verraten, ich habe noch ein paar Blumenzwiebeln übrig, so dass jeder von Euch eine mit nach Hause nehmen kann, das ist mein kleines Geschenk an Euch. Und was das Pflanzen betrifft, so wisst Ihr ja, das ist ganz einfach, macht es so schnell wie möglich: Hinknien, einen Platz für das Geschenk schaffen, das Ihr bekommen habt, danken, es loslassen und einpflanzen, und alles Weitere der Natur überlassen. So ist es in Euren Händen, diese Welt ein klein wenig mehr zum Blühen zu bringen.
Und wenn ich Euch alle so anschaue, wie Ihr dasteht und einander die Hände reicht, so wird mir ganz warm ums Herz, und ich bekomme wieder Hoffnung für den Frieden in der Welt. So heißt auch mein neues Lieblingslied, ich habe es gerade zu Weihnachten bekommen, lasst es uns zusammen singen.“
Der kleine Mann stimmte es an. „Peace on earth“, Frieden auf Erden, hieß es, und alle sangen mit. Nach dem Lied schauten alle noch lange den kleinen Mann an, stumm verteilte er seine Tulpenzwiebeln. Mit leuchtenden Augen verabschiedeten sich die Gratulanten, er hatte mit einfachen Mitteln ihre Herzen erreicht. |