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Kindergeburtstag

Kindergeburtstag

(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

Alexander hatte bald Geburtstag, 6 Jahre wurde er alt, und so durfte er sechs Kinder einladen. Mit seiner Mutter überlegte er schon zwei Wochen vorher, wer wohl eingeladen werden sollte. .Endlich war die Liste fertig: Dunja und ihre Schwester aus dem Kindergarten, und Igor natürlich, der war auch aus dem Kindergarten, und dann noch Sven aus der Nachbarschaft mit seiner kleinen Schwester, und Peter, der wohnte in der Straße hinter der kleinen Brücke.

Jedes Kind sollte eine Einladung kriegen, seine Mutter half ihm dabei. Er malte sie noch mit Buntstiften an und verteilte sie dann stolz am nächsten Tag. Alle Mütter sollten bei Svenja anrufen, um zu versichern, dass sie auch ganz bestimmt kommen würden, bis drei Tage vorher jedenfalls.

Alexander freute sich schon riesig, er wollte mit seinen Freunden Sackhüpfen und Eierlaufen spielen, (na ja, wenn seine Mutter ihm welche gab) und Topfschlagen, und  die Strasse bunt anmalen, und Kuchen essen, und Eis, und Schokolade, und Würstchen, und Spaghetti, aber nur die ganz langen natürlich.

Endlich kam der erste Anruf, Dunjas Mutter war dran. Dunja und ihre Schwester könnten nicht kommen, sagte sie, denn Oma würde 6o Jahre alt, und da würden sie hinfahren, ausgerechnet an diesem Tag. Alexander war enttäuscht, na ja, mit 4 Gästen konnte man ja auch noch viel Spaß haben. Dann kam der nächste Anruf, Peter konnte auch nicht kommen, sein Vater nahm ihn zu einer Sportveranstaltung mit. Schade, da blieben ja nur noch Igor und Sven mit seiner kleinen Schwester übrig. Und Alexander wollte doch so richtig schön feiern.

Drei Tage vorher rief Igors Vater an, er hatte seinem Sohn ein neues Fahrrad gekauft, und Igor wollte jetzt nur noch Fahrradfahren und hätte keine Lust mehr auf Kindergeburtstag. Alexanders Laune sank fast bis auf den Fußboden, was sollte er denn jetzt nur mit Sven und seiner kleinen Schwester spielen? Svenja versuchte ihn zu trösten: „Es kann auch mit wenigen Gästen ein schöner Geburtstag werden“, meinte sie. Und dann geschah es, zwei Tage vor dem Geburtstag rief die Mutter von Sven an, er war krank, Masern oder so, er konnte nicht kommen. Alexander heulte sofort los: „Jetzt kommt ja gar keiner mehr, was soll ich bloß machen, das wird ja sooo langweilig.“

Seine Mutter schwieg. Auf einmal hellte sich ihr Gesicht auf: “Ich glaube, es gibt noch mehr nette Kinder als die, die wir kennen“, meinte sie. „Ja, aber wo?“ Alexander wollte es mal wieder genau wissen. „Komm, wir suchen sie und laden sie ein“, war Svenjas kurze Antwort, „magst Du?“
„Ja, da müssen wir eine neue Einladung schreiben“, sagte Alexander, er hatte sogleich mit Weinen aufgehört. „Dann diktiere sie mir“, sagte Svenja, und schon ging es los:

„Ich heiße Alexander, und übermorgen habe ich Geburtstag und werde sechs. Und da will ich doch feiern, und alle meine Freunde haben abgesagt, krank, oder sonst was .Jetzt will ich Dich einladen, weil meine Mutter gesagt hat, dass es noch mehr nette Kinder gibt, und weil ich das auch glaube, und weil Du nett bist, lade ich Dich ein. Wir wollen ganz viel spielen, und was Leckeres gibt es auch, Dein Alexander,
und komm schon um drei, damit wir viel Zeit haben.“

 „Und jetzt noch die Adresse drauf“ fügte Alexander hinzu, “damit sie mich auch finden. Und wo gehen wir jetzt hin?“ wollte Alexander wissen. „Zuerst in ein Geschäft, um die Einladung zu kopieren, wir brauchen sie ja ganz oft“, meinte Svenja. Und schon ging es los. Svenja machte 12 Kopien. Dann fuhren sie mit dem Bus zu einem anderen Kindergarten. Als die Kinder dort von ihren Müttern abgeholt wurden, standen Alexander und  Svenja davor und warteten auf nette Kinder.

Jedes Mal, wenn Alexander glaubte, dass ein Kind nett sei, drückte er die Hand seiner Mutter, und Svenja gab der Mutter des Kindes die Einladung. Das hatten sie schon im Bus vereinbart, denn Alexander traute sich nicht, die Einladung selbst zu geben. Als Alle Kinder abgeholt worden waren, hatten sie noch zwei Einladungen übrig. “Dann gehen wir noch zur Schule“, schlug Svenja vor, „da sind auch immer viele Kinder“. Auf dem Weg dahin wurden sie schon eine Einladung los, und kurz vor der Schule, bei einem kleinen Mädchen mit Sommersprossen, fühlte Svenja schon wieder den Händedruck ihres Sohnes. Jetzt waren alle Einladungen weg.

Sie fuhren wieder nach Hause und fingen an mit Kuchenbacken und anderen Vorbereitungen. Endlich war der Geburtstag da, und Alexander konnte es kaum abwarten, bis es drei Uhr wurde. Und dann kamen sie, die netten Kinder, die er noch gar nicht kannte, drei Jungen und drei Mädchen waren es, das mit den Sommersprossen auch.

Und es wurde ein richtig schönes Fest. Sie spielten Sackhüpfen und Eierlaufen (ja, Svenja gab ihm welche, aber gekochte) und Topfschlagen, sie aßen Kuchen und Eis und Schokolade. Sie malten die Strasse bunt an, und am Abend gab es Würstchen und Spaghetti, aber nur die ganz langen natürlich.

Als alle Kinder wieder weg waren, fiel Alexander todmüde in sein Bett. Nebenan hörte er Svenja noch fröhliche Lieder singen, so konnte er wieder schnell einschlafen und träumte von seinen neuen Freunden, gut, dass es so viele nette Kinder gibt.

 

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