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Der kleine Mann

Der kleine Mann

(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

„Warum steht da ein Schrank auf der Strasse?“ Alexander guckte gerade aus dem Fenster. „Vielleicht zieht im Nachbarhaus jemand aus oder ein“, meinte seine Mutter. “Jetzt sehe ich auch einen Lastwagen, da wird gerade ein Tisch rausgeholt und ein bunter Sessel.“ „Dann ist es wohl ein Einzug“, kommentierte Svenja. „Doch jetzt ist es Zeit, um in den Kindergarten zu gehen“. Schade, Alexander hätte gerne noch weiter zugeschaut.

Als er am Mittag wieder zurückkam, war nichts mehr von dem Lastwagen oder den Möbeln zu sehen , dabei hätte er doch zu gerne gewusst, wer da  wohl eingezogen war. Er ahnte nicht, dass er noch lange warten musste, bis er den neuen Nachbarn kennen lernen konnte.

In der darauf folgenden Nacht wachte Alexander plötzlich von einem seltsamen Geräusch auf. Es hörte sich so an, als ob unter seinem Fenster jemand in der Erde graben würde. Er traute sich nicht, aufzustehen und nachzusehen, ob das ein Tier war, ein Igel vielleicht, oder eine ganze Igelfamilie, oder ein Maulwurf? Er wusste es nicht und schlief irgendwann wieder ein.

In der nächsten Nacht erging es ihm genauso, wieder war da so ein seltsames Geräusch. Er erzählte seiner Mutter am nächsten Morgen davon, sie hatte nichts gehört und meinte, vielleicht sei es ein Igel gewesen. Doch in der nächsten Nacht hörte sie auch etwas, dieses Mal unter ihrem Fenster, bei Alexander war alles ruhig. In der nächsten Nacht war es noch einmal das Gleiche, dann war aber alles ruhig, und bald hatten die beiden diese seltsamen Geräusche vergessen.

Den neuen Nachbarn hatte Alexander immer noch nicht kennen gelernt, ob da überhaupt jemand wohnte? Und endlich, an einem Sonnentag, Anfang Mai, sah er ihn, den kleinen Mann von nebenan. Ja, klein war er wirklich, kaum größer als Alexander, so einen kleinen Mann hatte Alexander noch nie gesehen. Er fegte die Straße vor dem Haus, in dem er wohnte, doch nicht genug damit, als er damit fertig war, fegte er auch noch vor den Häusern rechts und links von ihm. Alexander sah in das erstaunte Gesicht seiner Mutter:“ So was sieht man selten“, meinte sie,
„ich glaube, wir haben einen netten neuen Nachbarn.“

Als Alexander mit seiner Mutter an diesem Morgen zum Kindergarten ging, erlebten sie eine Überraschung: In ihrem Garten, gerade unter den Zimmern von Alexander und seiner Mutter, blühten Tulpen, wo noch nie welche waren, und sie keiner gepflanzt hatte, oder doch? Waren das die seltsamen Geräusche gewesen vor einigen Wochen? Jetzt hatten sie eine Erklärung, da hatte doch tatsächlich jemand in der Nacht Tulpenzwiebeln in die Erde gesteckt. Und als sie weitergingen, wurden ihre Augen immer größer, überall, wo sie hinsahen, entdeckten sie leuchtend rot blühende Tulpen, in den Gärten, am Bürgersteig, im Park, am Straßenrand, überall wo vorher nur Erde war, blühte es. Die Tulpenzwiebeln hatten anscheinend für den ganzen Weg zum Kindergarten gereicht. Alexander kam dort mit leuchtenden Augen an und erzählte den anderen Kindern davon. Wer mochte das gemacht haben?

Plötzlich fiel Alexander der kleine Mann wieder ein, sollte er vielleicht…?
Als Alexander mittags wieder zu Hause war, fragte er seine Mutter, ob es wohl sein könnte, dass der kleine Mann die ganzen Blumen gepflanzt hätte. „Ja, klar, das kann sein“, meinte sie, „aber warum weiß ich auch nicht.“

 Alexander konnte es kaum abwarten, dem kleinen Mann  wieder zu begegnen, um ihn danach zu fragen. Er schaute lange aus dem Fenster, und endlich sah er ihn, wie er wieder mal nicht nur vor seinem Haus, sondern auch vor den Nachbarhäusern fegte.

Zögernd ging Alexander auf ihn zu. „Warst Du das, der die ganzen Blumen gepflanzt hat?“ „Ja, das war ich“ ,antwortete der kleine Mann. er schaute Alexander mit freundlichen Augen an unter seiner gelben Schirmmütze. “Und wieso machst Du so was?“ „Hast Du Dich gefreut?“ fragte der kleine Mann zurück. „Ja, und meine Mama auch, es sieht alles so schön aus.“
 
„Eben drum,“ sagte der kleine Mann und fegte weiter. Alexander wollte sich schon umdrehen, da sagte der kleine Mann noch: „Du, ich  habe 5oo Blumenzwiebeln geschenkt bekommen, was hätte ich denn machen sollen?“

 „Und warum fegst Du auch vor unserem Haus?“ traute sich Alexander noch zu fragen. „Ich habe zwei starke Arme geschenkt bekommen, okay?“
sagte der kleine Mann.

Alexander dachte noch lange über diese Antworten nach, ob ihm wohl auch was geschenkt wurde, um anderen eine Freude zu machen?

 

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