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Leila

Leila

(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

„Warum bist Du so traurig, Tante Nadja?“ wollte Alexander wissen. Er verbrachte wieder einmal einen Nachmittag bei seiner Tante, sie hatten ein Würfelspiel gespielt, doch Tante Nadja freute sich gar nicht, obwohl sie doch gewonnen hatte. Irgendwie  war seine Tante heute ein bisschen anders als sonst, Alexander spürte das genau.

„Ach, das verstehst Du noch nicht“, versuchte sie auszuweichen. „Ich glaube, vielleicht aber doch,“ beharrte Alexander.

„Nun gut, ich will versuchen, es Dir zu erklären“, lenkte seine Tante ein.
„Ich habe Dir doch mal erzählt, dass ich vormittags in einem Heim für Behinderte arbeite, nicht wahr?“ „ Klar doch“, Alexander wusste Bescheid.
„Mit Leuten ohne Arme oder Beine, denen Du helfen musst, oder?“
„Ja, so ähnlich“, meinte Tante Nadja, „es gibt aber auch andere Arten von Behinderungen. Seit heute ist ein Mädchen, Leila heißt sie, bei uns, die nicht sehen und nicht hören kann, sie ist also blind und taub, und ich weiß nicht, was ich mit ihr machen kann, ich bekomme keinen Kontakt zu ihr.“

„Nicht sehen und nicht hören kann sie, gar nichts?“ Alexander staunte, von so was hatte er noch nie gehört. „Dann weint sie doch sicher ganz doll?“ Er wollte es jetzt genau wissen. „Nein, das tut sie nicht, sie hat noch nie sehen oder hören können, so weiß sie gar nicht, was das ist, “erklärte Tante Nadja. „Leila sitzt nur da und will gar nicht essen heute, doch vielleicht hat sie sich morgen schon eingewöhnt und hat wieder Hunger.“
„Darf ich mal mitkommen ins Heim und sie sehen?“ Alexander war jetzt neugierig geworden. „Das musst Du Deine Mutter fragen, von mir aus wäre es am nächsten Samstag möglich.“

Kaum zu Hause angekommen, fragte er seine Mutter: “Darf ich am Samstag mal mit Tante Nadja zu ihrer Arbeit gehen? Da ist ein Mädchen,
das kann nicht sehen und nicht hören.“

„Und das hast Du noch nicht gesehen, nicht wahr? Damit bin ich nicht einverstanden, nein, Du darfst nicht dahin.“ Alexander war verdutzt, erlaubte seine Mutter ihm doch sonst recht viel. „Warum nicht? Ich will aber.“ Alexander wurde fast ein bisschen trotzig. „Überleg doch mal, warum Du dahin willst“, erklärte sie. „Weil ich neugierig bin“, sagte Alexander prompt. „Genau, das denke ich mir“, sagte seine Mutter. „Und das reicht mir nicht. So ein Mensch, der nicht sieht und hört, lebt in seiner eigenen Welt, es ist hauptsächlich die Innere Welt,  und diese Welt kennst Du nicht.“ „Hm.“ Alexander wurde nachdenklich. “In einer anderen Welt, sagst Du, was ist diese andere Welt, kann ich sie kennen lernen?“

„Wenn Du wirklich willst, kannst Du das“ sagte seine Mutter. Dabei helfe ich Dir, aber nur, wenn Du wirklich willst, denn dazu braucht man Mut.“
„Den hab ich doch“, meinte Alexander. „Wie geht das denn, wie kann ich denn diese andere Welt kennen lernen?“, jetzt wollte er mehr wissen.

„Es gibt eine äußere Welt“ begann seine Mutter zu erklären, „die befindet sich außerhalb von Dir, und dann gibt es eine Innere Welt, die befindet sich in Dir. Diese innere Welt kannst Du nur kennen lernen, wenn Du still bist und die Augen zumachst.“ „So, wie Du es schon mal machst vor dem Essen?“ wollte Alexander wissen. „Ja“, antwortete Svenja, „da bedanke ich mich innerlich für das Essen.“ „ Du meinst“, fragte Alexander, „man kann also in dieser Inneren Welt sprechen?“ „Nicht nur das“, ergänzte seine Mutter, „man kann auch hören und sehen.“ „Hören und Sehen? Ohne Augen und Ohren auf?“ Alexander konnte das kaum glauben. Dann fiel ihm etwas ein, “ist das so wie beim Träumen?“ „Ja, so ähnlich“, nickte Svenja. „Und wenn Du willst, helfe ich Dir, es am Sonntag mal auszuprobieren. Doch jetzt gehen wir erst mal schlafen.“

Alexander konnte zuerst gar nicht einschlafen. Noch lange dachte er an
Leila und ihre Welt, wie mochte sie sein Leilas Welt? Den Sonntag konnte er kaum abwarten. Was hatte seine Mutter vor, wie konnte er diese Innere Welt kennen lernen?

Endlich war Sonntag. Seine Mutter fragte ihn, ob er noch mutig sei. Klar war er das. „Dann machen wir heute eine dunkle Stunde“, erklärte sie. „Ich werde Dir die Augen verbinden, so dass Du  nichts sehen kannst.“ „Gar nichts?“ wollte Alexander wissen. „Nichts, genau wie Leila.“
So verband Svenja also Alexanders Augen mit einem dunklen Tuch, bis er wirklich nichts mehr sah. Als sie ihn losließ, wurde er zuerst doch ein bisschen unsicher, wo war sie denn jetzt? Er strengte sich an, es zu hören, ach ja, sie war im Flur, an der Garderobe. “Lass uns einen Spaziergang machen draußen,“ rief sie. Alexander war einverstanden, sie hatte anscheinend seine Jacke geholt, denn er spürte plötzlich, wie sie ihm beim Anziehen half. „Das kann ich doch alleine“, meinte er, aber mit dem Reißverschluss dauerte es doch ohne Hinsehen sehr lange. Endlich war er soweit und tastete sich zur Tür, sie fühlte sich innen wärmer an als außen, das war ihm noch nie aufgefallen. Bei den Stufen musste ihm Svenja helfen, er wurde ganz ungeduldig, alles dauerte eine halbe Ewigkeit. Jetzt fühlte er Gras unter den Schuhen, dann Asphalt, jedenfalls was Hartes.
„Wo gehen wir hin?“ wollte er wissen. „In den Wald“, antwortete seine Mutter. Sie nahm ihn an die Hand, wie sollte er auch sonst den Weg finden? Und wieder dachte er an Leila, ob sie auch jemanden hatte, der sie an die Hand nahm?

In dieser Stunde machte Alexander Erfahrungen, die ganz neu waren. Er hörte alles viel stärker als sonst, die Vögel, die Eisenbahn in der Ferne, das Rauschen des Windes in den Bäumen. Er streckte auch oft seine freie Hand aus, um sicher zu sein, dass er nicht irgendwo anstieß. Einmal verlor er die Hand seiner Mutter, und er schrie kurz auf. Da hatte er sie auch schon wieder ergriffen, alleine wäre es ihm auch zu unheimlich gewesen. Endlich waren sie wieder zu Hause. Das Essen fiel ihm schwer, immer wieder musste er tasten, wo der Teller war, und die Tasse hätte er zweimal beinahe umgeworfen. Als er endlich wieder in seinem Zimmer war, war er ganz erschöpft. Nun wusste er auch nicht, womit er spielen sollte. Schließlich suchte und fand er seine Flöte und spielte so lange darauf wie noch nie. Er stellte sich vor, Leila könnte jetzt hier sein, aber sie konnte ja auch nicht hören. Endlich war die Stunde um, und seine Mutter befreite ihn von dem dunklen Tuch. Er blinzelte erst ein wenig und war froh, wieder sehen zu können.

„Jetzt kommt die stille Stunde“, erklärte Svenja, „Ich habe im Keller noch große Ohrenschützer gefunden, die habe ich noch mit Watte ausgestopft, und jetzt sind sie ganz dicht. Du kannst sie jetzt tragen und hörst eine Stunde lang nichts, willst Du?“

Alexander dachte an Leila und beeilte sich, zuzustimmen. Svenja setzte ihm diese Ohrenschützer auf und sagte wohl noch was, aber er hörte nichts mehr. Wieder gingen sie hinaus. Dieses Mal fühlte er sich nicht so hilflos, konnte er doch alles sehen. Er sah, wie Leute sprachen, wie sich ihre Münder bewegten, wie ein Hund bellte, doch er hörte nichts. Er merkte, wie er überall viel mehr hinsah, als sonst, und er vermisste das Gezwitscher der Vögel, das Rauschen des Windes in den Bäumen und überhaupt jegliche Unterhaltung mit seiner Mutter. Am Anfang hatte er noch einiges gesagt, doch da er keine Antwort hörte, machte ihm das bald keinen Spaß mehr, und er hörte auf zu sprechen. Wieder zu Hause sah er seine Mutter das Radio einschalten, er sah, wie sie telefonierte, und anscheinend lachte sie sogar, schade, dass er es nicht hörte.

Endlich war die stille Stunde um. „Darf ich jetzt Leila besuchen?“ fragte Alexander. „Oh, nein, jetzt kommt die dunkle und die  stille Stunde gleichzeitig, hast Du noch Mut?“ Alexander kam sich nun doch nicht mehr ganz so mutig vor. „So wie Leila immer?“ „Ja, so wie Leila immer“, antwortete Svenja. Schon verband sie ihm die Augen und setzte ihm die großen Ohrenschützer auf. Dieses Mal sollte er alleine in seinem Kinderzimmer bleiben. Nur wenn er Angst hätte, sollte er seine Mutter rufen.

Jetzt saß er da, und wusste zuerst nicht, was er machen sollte. Er fühlte nach seinen Spielsachen. Er fand ein Bilderbuch, das war jetzt nutzlos, er fand seine Flöte, damit konnte er auch nichts anfangen, endlich ertastete er seine Bauklötze und fing an zu bauen. Doch schon bald hörte er damit wieder auf, er konnte ja nicht sehen, was er gebaut hatte. Schließlich saß er nur noch ganz still da und wusste nicht mehr, was er machen sollte.
Da erinnerte er sich, wie seine Mutter von der Inneren Welt gesprochen hatte, und er horchte in sich hinein, doch er hörte keine Stimme. Nach einer Weile erinnerte er sich an die Ferien und sah innerlich noch einmal die großen Sandburgen, die er gebaut hatte. Und dann dachte er ans Abendessen, ob es wohl Nudeln gab? Gerne hätte er schnell mal nachgesehen. Dann roch er ganz deutlich den Duft von Gewürztee, war das nun Einbildung oder echt, träumte er, oder was war das? Er spürte auch plötzlich Wärme, so als ob die Sonne in sein Zimmer scheinen würde, konnte das sein? Dann griff er nach seinem Hasen, er wusste, dass er im Bett zu finden war, und mit dem Hasen im Arm hatte er Geduld, bis Svenja kam, und die Stunde um war.

„Gibt es Gewürztee?“ war seine erste Frage. “Ja“ antwortete Svenja, „das hast Du ja gut gerochen. Wie geht es Dir?“ „ Na ja, ganz gut, zumindest, als ich an die Ferien gedacht habe und mich aufs Essen gefreut habe“, gestand Alexander, „sonst nicht immer so richtig gut.“

„Dann wollen wir auch zuerst mal essen“, sagte Svenja. „Und dann erklär mir das bitte noch mal mit der Inneren Welt, Mama, das habe ich noch nicht ganz verstanden“, bat Alexander. „Gut, nach dem Essen“, versprach Svenja.

Endlich war es soweit. „Die Innere Welt lernst Du kennen, wenn Du mal Pause machst mit dem Schauen und dem Hören nach außen. Damit haben wir heute mal ein wenig angefangen. Zuerst merkst Du, dass Du dann besser riechen, schmecken und fühlen kannst, das sind aber immer noch die äußeren Sachen. Dann kommen die Gedanken an Sachen, die Du schon erlebt hast in der äußeren Welt, oder die noch kommen werden(so wie bei Dir die Sandburgen aus den Ferien und das bevorstehende Abendessen), erst danach trittst Du in die Innere Welt ein, Leilas Welt.“

„Woher weißt Du das alles?“ wollte Alexander wissen. „Ich weiß es, weil ich jeden Tag ein wenig in die Innere Welt gehe, immer dann, wenn ich Dir sage, dass Du mich mal 10 Minuten nicht stören sollst, und Du weißt ja, dass ich dann die Augen zumache und ganz still bin.“ „Ist die Innere Welt schön?“ will Alexander wissen. „Ja, wunderschön“, sagte seine Mutter, „darum gehe ich auch immer wieder dahin, ich erfahre darin Mut und Zuversicht, Vertrauen und Freude und eben solche Sachen, die man nicht sehen oder hören kann und natürlich Liebe.“

„Machen das alle Leute, in die Innere Welt gehen?“ will Alexander wissen. “Ja, alle“, wusste seine Mutter, „viele nur ganz kurz, wenn sie nämlich mal  kurz auf ihr Herz hören.  Es hat eine Stimme. Das Herz gehört zur Inneren Welt, und oft, wenn die Menschen nicht wissen, was sie machen sollen, und in die Innere Welt gehen, und ihr Herz befragen, dann erhalten sie einen Rat, und Du kannst es im Außen sehen, sie handeln und sprechen dann immer liebevoll.“ „Ich glaube, jetzt verstehe ich es allmählich“, sagte Alexander. „Und da im Herzen, ich meine im Herzen eines jeden Menschen, da ist immer Liebe?“

„Ja, da ist immer Liebe“, da war Svenja ganz sicher, “soviel Du willst. Du kannst immer in die Innere Welt gehen, zu deinem Herzen und soviel Liebe abholen, wie Du in der äußeren Welt geben willst. Und im gleichen Moment wird schon wieder neue Liebe hineingepumpt, einfach so, ganz von selbst“. „Das ist ja praktisch“, meinte Alexander, „wissen das alle Menschen?“ „Wie viele Menschen das wissen, weiß ich nicht“, meinte Svenja, „ich kenne allerdings Menschen, die glauben, dass man das Herz von außen mit Liebe füllen kann, mit irgendwelchen Dingen.“

Alexander überlegte einen Moment, „darf ich in Zukunft mit Dir in die Innere Welt gehen, jetzt, da Du mir das erklärt hast?“ „Gerne“, antwortete Svenja, wenn Du 10 Minuten still sein kannst, können wir zur gleichen Zeit gehen, jeder macht seine eigene Reise, und vielleicht gibt es manchmal   etwas, das wir hinterher miteinander teilen können.“

Alexander freute sich, neben seiner Mutter in die Innere Welt  reisen zu dürfen, das waren gute Aussichten für die nächste Zeit.

Und so machten sie es die ganze nächste Woche, jeden Morgen und jeden Abend, nur 10 Minuten. Zuerst hatte Alexander dabei noch immer viele Gedanken, doch manchmal hörten sie einfach auf, diese Gedanken, und er begann, in sein Herz zu lauschen. Ab und zu stellte er eine Frage, und er erhielt zu seinem größten Erstaunen auch eine Antwort. Und manchmal, wenn es ihm in der äußeren Welt nicht so richtig gut ging, freute er sich sogar sehr auf seinen Ausflug in die Innere Welt, da konnte er sich mal wieder ne riesige Portion Liebe abholen, um sie dann später in der äußeren Welt an alle Menschen, die er traf zu  verteilen.

Endlich war es soweit, er durfte Leila besuchen. An einem Samstagmorgen holte Tante Nadja ihn ab und nahm ihn mit in das Heim. Eine halbe Stunde später wollte ihn seine Mutter wieder abholen. Was würde ihn erwarten? Warum wollte er sie besuchen? Er wusste es nicht mehr genau.
Seine Mutter hatte ihn noch gewarnt: „Hüte Dich davor zu glauben, dass Du Leilas Welt schon kennst. Sie befindet sich schon viele Jahre darin, und Du hast gerade mal angefangen, Deine eigene Innere Welt kennen zu lernen.“

Alexander hatte seinen Hasen mitgenommen, den mit den langen Armen und Beinen, mit  dem Hasen im Arm fühlte er sich sicherer.Tante Nadja öffnete die Tür zu Leilas Zimmer und schloss sie auch sogleich wieder hinter ihm, er war mit ihr allein. Da saß sie, auf ihrem Bett und sah eigentlich aus, wie jedes andere Mädchen auch, das heißt, nur ihre Augen, die waren anders, sie waren zwar offen, aber sie sahen ins Leere. Trotzdem wand sie ihren Kopf zur Tür, als hätte sie Alexander gesehen oder gehört. Vorsichtig und ganz langsam ging Alexander auf sie zu. Als er dicht vor ihr stand, wusste er nicht mehr weiter. Unsicher blieb er vor ihr stehen und fing ein bisschen an zu schwitzen, was sollte er nur machen? er hatte vorher nicht darüber nachgedacht. Schließlich setzte er sich neben sie auf das Bett, ziemlich nah, aber doch nicht so dicht, dass er sie berührt hätte, das traute er sich nicht. Schon wieder war er ratlos.

Da dachte er an die Innere Welt. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf sein Herz. Und er fing an, ganz viel Liebe daraus zu schöpfen, und da er nicht wusste, wie er sie an Leila weitergeben könnte, begann er, seinen Hasen damit aufzuladen. Er schenkte seinem Hasen soviel Liebe aus seinem Herzen, dass der Hase zum Platzen voll damit wurde. Als Alexander die Augen wieder aufmachte, hatte er wirklich den Eindruck, dass sein Hase viel dicker geworden war von der ganzen Liebe, die jetzt in ihm steckte. Und dann nahm er ganz vorsichtig einen Hasenfuß und berührte damit ganz sachte Leilas Knie und zog ihn auch schnell wieder weg. Zuerst reagierte Leila überhaupt nicht, aber als er  es noch einmal machte, begann sie mit der einen Hand Richtung Knie zu laufen, und beim dritten Mal erwischte sie den Hasenfuß und hielt ihn fest. Jetzt ließ Alexander den Hasen los. Da machte Leila etwas Seltsames. Sie befühlte den Hasen von Kopf bis Fuß und fing an, an ihm zu riechen. Sogar an seinem Ohr, an beiden Armen, überall schnupperte sie herum, seine Beine drückte sie fest, und Alexander wollte ihn ihr schon wieder abnehmen, denn er wusste nicht, ob das alles seinem Hasen so gefiel, da drückte sie ihn plötzlich an ihr Herz, und es sah so aus, als wollte sie ihm was zuflüstern. Dann hielt sie den Hasen mit ausgestreckten Armen in die Luft, Alexander verstand, sie wollte ihn zurückgeben. Er nahm ihn schnell an sich und umarmte ihn. Da hörte er auch schon seine Mutter, wie sie die Tür öffnete und ihn abholen wollte. Zum Abschied berührte er noch mal schnell mit dem Hasenfuß Leilas Knie. Danach fuhr er mit seiner Mutter nach Hause.

„Nun, wie war Dein Besuch?“ wollte sie wissen. „Ich glaube, Leila mag meinen Hasen“, sagte er, „vielleicht schenke ich ihn ihr beim nächsten Besuch.“ „Du willst wieder hin?“ „Ja, Tante Nadja hat gesagt, dass sie wenig Besuch kriegt, und da kann ich doch ab und zu mit ihr spielen.“
„In Ordnung“, seine Mutter war einverstanden.

Beim zweiten Besuch schenkte Alexander Leila seinen Hasen. Es war ihm schwer gefallen, sich von ihm zu trennen, das musste er zugeben, aber Leila hatte sich so gefreut, sie hatte gelächelt zum Abschied, und dieses Lächeln hatte er so schnell nicht vergessen. Und er konnte seinen Hasen ja nun jederzeit besuchen, immer, wenn er Leila besuchte, war sein Hase ja auch da. Im Laufe der nächsten Zeit freundete er sich richtig ein bisschen an mit Leila, und hin und wieder begegneten sie sich in der Inneren Welt.

Und was er bei jedem Besuch mit seinem Hasen machte, das verriet er keinem, er ging in seine Innere Welt, in sein Herz und schenkte dem Hasen so viel Liebe, bis er wieder ganz dick war.

Nur Leila, sie hat es wahrscheinlich gespürt. Beim letzten Besuch war der Hase schon ganz dick, als Alexander kam, von Leilas Liebe.

 

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