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Die Liebe und die Frage

Die Liebe und die Frage

(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

Die  Liebe und die  Frage saßen wieder einmal in vertrautem Gespräch    auf dem Sofa. „Wie kommt es eigentlich“, wollte die Frage wissen, „dass du immer mehr zunimmst und ich immer mehr abnehme?“ „ Ganz einfach“ sagte die Liebe,“ ich bringe die Menschen dazu, dass sie immer mehr hinhören, immer mehr hinschauen, immer mehr hinspüren, was der andere will, und ihm dann schenken, was er braucht: Mich! Und so dehne ich mich aus.“ Die Frage erblasste und fiel in Ohnmacht.

„Warum heiraten die beiden eigentlich?“ wollte die Frage wissen.
„Weil sie in ihre Augen geschaut, sich voneinander haben berühren lassen und mich in ihren Herzen gefunden haben“ wusste die Liebe.
„Oh“, sagte die Frage, fand keinen Halt mehr und zerfiel.

„Woher wissen die beiden eigentlich, dass sie den richtigen Partner heiraten?“ wollte die Frage wissen.
„Ganz einfach“ antwortete die Liebe, „weil sie das mit mir entschieden haben, und du weißt doch, ich bin stärker als du.“
Die Frage verdünnisierte sich.

„Was willst du dagegen machen, wenn ich immer wieder auftauche in ihren Köpfen und Zweifel säe?“ die Frage wollte die Liebe mal wieder herausfordern. „Ich werde sie immer wieder auf den Weg zum Herzen führen“, antwortete die Liebe, „ und da hast Du keinen Platz.“ Und wieder musste sich die Frage davonmachen.

„Ich werde mich breit machen in ihren Köpfen“ trumpfte die Frage auf, „da ist viel Raum für mich, oder?“ „Der Platz gehört dir nicht allein“, antwortete die Liebe, „wenn sie meine Gedanken denken, werden sie mit meinen Augen schauen und mit meinen Ohren horchen.“
„Und wie willst du sie dazu kriegen?“ wollte die Frage wissen. “Ich bin beharrlich“, antwortete die Liebe, „ich poche ein Leben lang in ihrer Mitte und irgendwann werden sie auf mich hören.“ Die Frage verschwand lautlos.

„Alle wünschen den beiden Glück! Was ist das eigentlich?“ die Frage stellte sich. Auch darauf hatte die Liebe eine Antwort: „Glück ist der Ort, wo es nicht mehr um dich oder mich, dein oder mein geht, Glück ist der Ort, wo die beiden mit allem eins sind.“ Die Frage ermüdete, fiel in tiefen Schlaf und konnte vom Wiedererwachen nur noch träumen.

Zur Hochzeit alles Liebe, Christa Wirth

 

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