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Ach ja, die Schule! Wieder so eine Schulstunde, die einfach keinen Spaß machte! Lasse ging in die dritte Klasse der Grundschule, und gerade gab es Religion bei der Klassenlehrerin. Meistens wurde in der Religionsstunde gebastelt, und er konnte basteln sowieso nicht leiden, wenigstens nicht, wenn etwas in seinen Augen Unsinniges gemacht wurde. So ein Flugzeugmodell, ja, das hätte er wohl gern zusammengebaut. Mit Mama hatte er nach seinem Geburtstag den Dreidecker vom „Roten Baron“ gebaut. Na ja, so ganz gekonnt sah es noch nicht aus, aber sie waren beide mächtig stolz auf sich gewesen. Heute morgen hatte er noch mit seinem neuen Lego-Flughafen spielen wollen, aber es war ganz komisch, beim Spielen ging die Zeit immer viel schneller vorbei als in der Schule. Mama hatte geschimpft, weil er sich nicht angezogen hatte, sie hatte eben nicht verstanden, dass das große Flugzeug unbedingt erst noch auf dem Rollfeld landen musste – schließlich konnte es nicht bis mittags in der Luft bleiben. Aber manchmal war Mama da ganz anderer Meinung als er. Anfangs hatte er sich noch darüber gefreut, dass er endlich zur Schule kam. Er fand Bücher schon immer wunderschön und wollte unbedingt lesen lernen. Immer musste er erst warten bis jemand Zeit hatte, etwas aus seinen Lieblingsbüchern vorzulesen. Einen Kinderatlas hatte er, da waren ganz viele Bilder drin und darunter standen immer Erklärungen. Einen Hafen gab es da, Bilder von fremden Ländern, und natürlich auch einen Flughafen mit Flugzeugen. Ein Buch mit einem Flugzeug, das man aufklappen und innen ansehen konnte, hatte er auch. Und natürlich die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz und der Kleinen Hexe! Jetzt war er in der dritten Klasse und konnte natürlich längst lesen! Er hatte Mama gefragt, warum er denn nun immer noch zur Schule musste, lesen kann man schließlich in seinem Zimmer viel gemütlicher. Aber Mama war der Meinung, er müsse noch ganz viel lernen: Rechnen, Religion, Musik – er seufzte vor sich hin. Dumm dass er noch so klein war, es blieb ihm einfach nichts anderes übrig als sich nach Mamas Wünschen zu richten. Gedankenverloren nahm er seinen Bleistift in die Hand, und während die Stimme der Lehrerin ziemlich monoton an ihm vorbeirauschte, wuchs der Stift und fing an, silbern zu glitzern. Genau, es war nämlich gar kein Bleistift, sondern ein Flugzeug, so eins, wie er oft über sein Haus fliegen sah. Sie glitzerten auch immer in der Sonne und manchmal dachte er darüber nach, wie es wohl sein würde, wenn er mitflog. Das Flugzeug drehte inzwischen gleichmäßige Runden über seinem Platz, merkwürdig, dass die anderen das Motorengeräusch nicht hören konnten. Der Spitzer, den er in der anderen Hand hielt, machte sich ebenfalls selbstständig, er wurde ein etwas kleineres Flugzeug, aber dafür konnte es viel eleganter fliegen. Die beiden mussten aufpassen, dass sie nicht in der Luft zusammenstießen, gar nicht so einfach für ihn als Piloten. Denn natürlich saß er hinter dem Steuerknüppel und flog die Maschinen, alle beide natürlich. Sie würden auf seinem Flughafen zu Hause landen wollen, aber da gab es noch keine Landeerlaubnis. Bis dahin könnten sie ihn wenigstens bis zur Nordsee bringen. Da war er schon ein paarmal gewesen und es hatte ihm gut gefallen. „Brrrrrrrumm“, machte der Motor des einen Flugzeuges, etwas heller dann das andere. Hoffentlich landeten sie nicht im Wasser! „Lasse?“ „LASSE! Wiederhole doch einmal was ich eben gesagt habe!“ Erschrocken fuhr Lasse von seinem Stuhl hoch und fing an zu stottern „Sie haben gesagt, Sie haben.....“ Auf seinem Tisch lag auf einmal wieder der Bleistift und daneben der Spitzer, die Flugzeuge waren wohl weitergeflogen. Hoffentlich fanden sie zu ihm nach Hause.... Nein, er konnte nun wirklich nicht sagen was sie eben gesagt hatte, aber eigentlich wusste sie das doch selbst. Warum musste er das denn wiederholen? „Du bist ein hoffnungsloser Träumer“, sagte die Lehrerin jetzt, „wenn du nicht besser im Unterricht aufpasst, werde ich deine Mutter informieren müssen. Und den Bleistift nehme ich erstmal mit nach vorne, der ist schließlich nicht zum Spielen da!“ Ganz zerknirscht saß Lasse nun wieder auf seinem Stuhl und versuchte nicht mehr an seine Flugzeuge zu denken. Dass Mama informiert wurde, das wollte er nun ganz und gar nicht, deshalb wollte er sich jetzt wenigstens anstrengen, besser aufzupassen. Aber eines war sicher: Wenn er erst groß wäre, würde er ganz bestimmt ein berühmter Pilot werden. Und so lange konnte das ja nicht mehr dauern – Mama hatte erst gestern wieder gesagt, dass er so schnell wachsen würde. Bis dahin würde er die Schule wohl noch aushalten! |