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(Geschichte von Bärbel Zimmermann, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)
Eigentlich heißt er Karl-Friedrich.
Jeder nannte ihn Karli. Obwohl er eigentlich Karl-Friedrich hieß. Das ist zwar ein sehr würdiger Name für einen Teddybären, aber Karli gefiel ihm doch besser. Karli hatte eines Tages als Weihnachtsgeschenk unter einem Weihnachtsbaum gesessen, für einen kleinen Jungen. Er war fast genauso groß gewesen wie der Junge.
Das hatte sich inzwischen geändert, der Junge war gewachsen, Teddybären bleiben eben so wie sie nun mal sind. So war Karli inzwischen ein ganz normaler Teddybär. Ganz normal? Nein, eigentlich doch nicht. Er war vom ersten Tag an das Hauptspielzeug des Jungen gewesen, der damals noch nicht einmal ganz richtig laufen konnte. Beim Krabbeln biss ihn der Junge immer in die Nase und zog ihn mit, weil er die Hände ja noch auf dem Fußboden brauchte. Auf die Weise war die Teddynase, die angeblich unzerstörbar sein sollte, doch kaputt gegangen. Nur gut, dass der Opa des Jungen ihm aus Leder eine neue Nase machte, was hätte er, Karli, sonst machen sollen, wenn er mal einen Schnupfen bekam?
Auch sonst hatte Karli inzwischen leichte Gebrauchsspuren, so ganz neu sah er eigentlich nicht mehr aus, aber wenn man sehr geliebt wird, dann kann das schon mal passieren. Jede Krankheit musste er mit über sich ergehen lassen, wie oft wurde bei ihm Fieber gemessen, dabei kriegen Teddys eigentlich gar kein Fieber. Zum Kinderarzt musste er mit und sogar einmal ins Krankenhaus!
Ungern dachte er an die Zeit zurück, als der Junge ganz schlimmen Keuchhusten bekommen hatte. Tagsüber ging es ja, aber nachts – da musste der Junge sich dauernd übergeben, und immer lag er, Karli, irgendwo im Weg. Das war ein bisschen ekelig, so lieb er den Jungen auch hatte. Morgens wurde er dann in einen Wäschekorb gelegt und zur Waschmaschine gebracht. Igitt, waschen! Man kriegt Schaum überallhin, sogar hinter die Ohren! Lustiger war dann schon der Gang zum Wäschetrockner, er musste ja immer so schnell wie möglich wieder für den Jungen da sein, und so wurde er zur Nachbarin gebracht, die einen Wäschetrockner hatte. Das musste man dem Jungen ja lassen, er ging immer mit und passte die ganze Zeit auf, dass ihm nichts geschah. Danach wurde er mit einer Bürste gebürstet, damit er wieder schön weich wurde und flauschig!
Der Junge wurde größer, und so ganz nach und nach verschwanden die Kuscheltiere aus dem Kinderzimmer, das inzwischen ein Jungenzimmer geworden war. Eisenbahn, Radio, Legosteine waren wichtiger, und nur wenige Tiere durften in dem Zimmer bleiben – was sollten die Freunde denken, die zum Spielen kamen? Karli war ganz stolz darauf, dass er jedenfalls immer weiter im Bett bleiben durfte, ab und zu schon mal Tränen abwischen oder sich die Schulsorgen anhören konnte. Natürlich konnte er dem Jungen dabei nicht helfen, aber er merkte doch, dass das Reden den Jungen erleichterte und dass es ihm half. Eigentlich weinen Jungen ja nicht, aber er, Karli, war total verschwiegen und hätte niemals etwas gepetzt!
Irgendwann gab es dann die erste Liebe, und natürlich hörte er geduldig zu, wenn davon erzählt wurde. Es musste ziemlich aufregend sein, sich zu verlieben, man gut, dass es bei Teddybären etwas anders ist. Und dann der erste Liebeskummer, Karli war ganz verzweifelt, weil er so überhaupt nicht helfen konnte! Aber – noch immer durfte er in dem Zimmer bleiben, und darauf war er doch ziemlich stolz. Sein Fell war inzwischen ganz platt geworden, auch das Bürsten half nicht mehr sonderlich gut, er wurde eben doch alt und war froh, dass er nicht mehr über den Fußboden gezogen wurde, sondern meistens im Bett oder auf dem Sofa liegen durfte.
Tja, irgendwann war es dann so weit, der Junge wurde erwachsen und wollte in eine andere Stadt ziehen, weg von zu Hause! Karli bekam ein wenig Angst, was sollte nur aus ihm werden? Auf den Dachboden zu den anderen Kuscheltieren? Er war nie oben gewesen, aber das stellte er sich doch ein wenig gruselig vor. Da gab es sicherlich Mäuse, die einem alten Teddy gefährlich werden können, oder gar Motten? Vorsichtshalber stellte er sich die meiste Zeit des Tages schlafend, dann würde schon nichts passieren. Aber er hatte den Jungen falsch eingeschätzt. „Ich nehme Karli mit“, sagte er zu seiner Mutter, „meinst du, du kannst ihn noch einmal waschen und bürsten?“ Ach, fielen da Steine vom Teddy-Herzen! Gern wollte er noch einmal die Waschmaschine in Kauf nehmen, wenn er nur nicht auf den Boden musste.
Er wurde frisch gewaschen, gebürstet und dann ging es auf die Reise, in die neue Wohnung. Auf dem frisch bezogenen Bett durfte er sitzen, in seiner ganzen neuen Pracht. Er versuchte, sich so in Positur zu setzen, dass ihn jeder, der ins Zimmer kam, auch bewundern konnte. Tatsächlich, irgendwann kam ein Mädchen, um den Jungen zu besuchen. Sie sah ihn sofort und war von ihm begeistert, klar, dass er das Mädchen auch toll fand. Offensichtlich fand der Junge das auch, denn das Mädchen kam nun immer öfter, aber ganz oft nahm sie auch ihn in den Arm. Nun, seinetwegen sollten die beiden glücklich werden, wenn er nur dableiben durfte. Und heimlich war Karli sowieso der Meinung, dass das Mädchen sich unter anderem seinetwegen in den Jungen verliebt hatte.......
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