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Tim's Traum

Feder-Clipart

 

(Geschichte von Bärbel Zimmermann, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

Der kleine Tim war krank. Vor drei Tagen war er aus dem Kindergarten gekommen und sein Kopf hatte fürchterlich weh getan. Unterwegs hatte er sich sogar mit seiner Mama gezankt, obwohl er sie doch eigentlich ganz lieb hatte, es war eben ein schlimmer Tag gewesen. Abends wurde er ganz heiß und Mama hatte ihm die Hand auf die Stirn gelegt. „Ich glaube du hast Fieber“, sagte sie, „ich hole das Thermometer.“ 38,9 hatte er, obwohl er so genau nicht wusste, was er nun eigentlich hatte, aber es war ihm auch ziemlich egal. Es war ihm überhaupt alles ziemlich egal, nur schlafen wollte er und dass der Kopf endlich nicht mehr weh tat. Am nächsten Tag war ihm schwindelig gewesen und er durfte nicht in den Kindergarten, und nun lag er immer noch in seinem Bettchen. Der Doktor war inzwischen dagewesen und hatte gemeint „das wird schon wieder“. Der hatte gut reden! Tim hatte das Gefühl, er könne nie wieder draußen spielen oder sich freuen. Gestern Abend hatte er sogar gesehen, dass Mama ein paar Tränen in den Augen hatte, bestimmt glaubte sie auch nicht dass er wieder gesund werden würde. Vor seinem Bett stand die Eisenbahn, mit der würde er bestimmt auch nicht mehr spielen können, wenn einem schwindelig ist, fällt man um, da kann man gar nicht schön spielen. Bei der Vorstellung kullerten auch Tim ein paar Tränen die Wange entlang. Traurig nahm er seinen Teddy ganz fest in den Arm, und mit dem kuscheligen Tröster konnte er tatsächlich einschlafen.

„Weißt du was wir machen?“ Tim hatte das Gefühl, der Teddy hätte ihm das ins Ohr geflüstert. „Was machen?“, fragte Tim zurück. „Wir laufen jetzt einfach los“, sagte der Teddy an seinem Ohr, „du wolltest doch immer einmal ganz allein in das große Kaufhaus an der Ecke. Komm mit, da ist jetzt bestimmt niemand, und ich möchte auch gern meine Familie wieder einmal besuchen“. Tim fand die Idee toll, und obwohl er ja eigentlich krank war, stand er auf und ging hinter seinem Teddy her, der plötzlich laufen konnte und schon zur Tür gegangen war. Wenigstens an seine Hausschuhe dachte er noch, barfuß im Kaufhaus zu sein hätte ihm doch nicht so gut gefallen. Erstaunlicherweise bemerkte niemand im Haus, dass er sich mit seinem Teddy  zusammen die Treppe nach unten schlich, die Haustür öffnete und auf der Straße verschwand. Flüchtig dachte Tim darüber nach, was seine Mama wohl denken mochte wenn sie in sein Zimmer kam, aber dann standen sie auch schon vor der großen Glastür des Kaufhauses.

Niemand war innen zu sehen, trotzdem stand er plötzlich auf der großen Rolltreppe, die er schon immer so aufregend gefunden hatte. Au ja, jetzt wollte er erst mal in aller Ruhe Rolltreppe fahren, ohne dass ihn irgend jemand drängelte. In jedem Stockwerk schaute er sich um, damit er die Spielzeugabteilung wiederfand, in der es so aufregend viele Spielsachen gab. Bis zum fünften Stockwerk mussten die beiden Ausreißer fahren, als der Teddy plötzlich rief: „Ich sehe meine Brüder“. Tim machte einen großen Schritt, wie Mama es ihm beigebracht hatte und beendete seine Rolltreppenfahrt. „Mann ist es hier schön!“, stammelte er fassungslos beim Anblick der riesigen Spielzeugabteilung.  Alles, aber auch wirklich alles, was ein kleiner Junge sich nur wünschen konnte, war da. Und das Beste war, alles bewegte sich irgendwie. Da drüben, in der Puppenstube, wurden gerade Eierpfannkuchen gebacken, die sogar dufteten. Von der anderen Seite hörte er Kirmesmusik, und tatsächlich, da drehte sich ein kleines Karussell mit Pferdchen drauf, zwei kleine Teddybären und eine Spielzeugschildkröte wollten gerade einsteigen. „Huaaaaah!“ Was war das? Tim bekam einen großen Schreck, als plötzlich drei Indianer mit Kriegsgeheul und Tomahawk auf ihn zukamen. Die wollten doch nicht etwa ihn....? Nein, wollten sie nicht, sie stürmten an ihm vorbei auf ein Schaukelpferdchen zu, das plötzlich davon galoppieren konnte. Wo war nur sein Teddy geblieben? Tatsächlich, in der Sofaecke saß er zwischen ganz ganz vielen anderen großen und kleinen Teddybären. Bis drei konnte Tim schon zählen, aber das waren  noch viel mehr als drei, das wusste er genau. Der riesengroße Teddy war bestimmt der Opa der Familie, und der schwarze Teddy, der auf der anderen Seite saß, konnte ja wohl nur ein Bruder aus Afrika sein. Sein Teddy bemerkte ihn überhaupt nicht mehr, aber schließlich hatte er auch viel zu erzählen.

Staunend ging Tim weiter und musste auch schon wieder an die Seite springen, als ein Feuerwehrauto mit Blaulicht und einer ziemlich blechernen Sirene an ihm vorbeiraste, gleich dahinter noch eins. Das Playmobil-Feuerwehrauto wollte auch noch hinterher, aber es kam nicht so schnell aus seiner Schachtel. Tim half ihm schnell ein wenig nach und baute ihm sein Blaulicht aufs Dach, denn ohne Blaulicht kann ein Feuerwehrauto ja wohl nicht losfahren. „Wo brennt es denn?“, fragte Tim schnell. „In der Bauklotzecke glaube ich, sagte das Playmobil-Auto, komm schnell mit. Also rannte Tim auf seinen Hausschuhen hinter den Feuerwehrautos her, aber die ersten Feuerwehrmänner hatten den Brand wohl schon löschen können. Man gut, da hätte Tim wohl doch ein wenig Angst gehabt. Und nun hatte er endlich auch die Eisenbahnabteilung gefunden. Wer hätte das gedacht, dass Spielzeug nachts lebendig ist? Tim hätte sich das nie vorstellen können, aber nun war er total begeistert. Auf der riesengroßen Eisenbahnanlage war jedenfalls an Schlaf nicht zu denken. Da läuteten gerade die Kirchenglocken, das Brautpaar, das er schon immer bewundert hatte, konnte nun endlich in die Kirche gehen. Drüben ging die Schranke runter, und schon nahte die alte Dampflok mit echtem Dampf im Schornstein. „Wolkenkuckuckshausen“ rief der Schaffner, und die Lok hielt am Bahnhof an. „Beeilen Sie sich bitte mit dem Ein- und Aussteigen“, rief der Schaffner nun, „in einer Minute hält hier der Sonderzug nach Schokoladendorf!“ Hört sich gut an, dachte Tim, ob ich einfach mal einsteige? Er stellte sich neben die anderen Menschen auf dem Bahnsteig, und obwohl er doch eigentlich viel größer war, bemerkte keiner, dass er nicht so richtig dazugehörte. Und schon kam der Sonderzug. Wie der schon aussah! Schokoladenbraun war er, mit Sahnespritzern an den Fenstern und dicke Kirschlutscher klebten auf seinen Scheinwerfern. Na, wenn das kein Sonderzug war! „Einsteigen, Türen schließen, der Zug fährt bis in die nächste Eisdiele!“, sagte der Schaffner nun durch sein Megaphon. Das ließ sich Tim nicht zweimal sagen. Ihm war so fürchterlich heiß, ein Eis wäre bestimmt genau das Richtige für ihn. Seit Tagen hatte er schließlich nichts essen können. Er stieg ein und tatsächlich hielt der Zug genau vor einer Eisdiele. Schnell stieg Tim aus, und bevor ihm einfiel, dass er ja gar kein Geld bei sich hatte, stand auch schon ein Riesen-Schokoladeneis vor ihm. Ach, tat das gut. Er konnte richtig fühlen, wie sein Gesicht langsam kühler wurde, der Hals tat nicht mehr so weh, und niemand schimpfte mit ihm, weil er wieder einmal gekleckert hatte. Die Riesenportion wurde langsam weniger, und auf einmal fiel ihm ein, dass er seinen Teddy wiederfinden musste. „Teddy?“

„Teddy?????“ Tim merkte selbst, wie weinerlich seine Stimme klang, als er seinen Teddy rief. „Ist doch gut, mein Junge, du hast ihn doch im Arm“, sagte Mama auf einmal. „Wieso Mama?“, dachte Tim und konnte nicht glauben, dass seine Mama ihn im Kaufhaus gefunden hatte. Das gab bestimmt Schimpfe.....  „Dein Kopf ist überhaupt nicht mehr heiß“, sagte Mama gerade, „du kannst bestimmt bald wieder aufstehen und spielen“.
„Na siehst du“, flüsterte der Teddy in sein Ohr, „ich wusste doch dass unser Ausflug dich wieder gesund machen würde.“  Irgendwie würde Tim wohl nie so ganz genau wissen, ob er geträumt hatte oder wirklich im Kaufhaus gewesen war. Es war auch egal, Hauptsache er würde doch wieder gesund! Und das Eis war jedenfalls lecker gewesen!

 

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