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Schon wieder Weihnachten

Schon wieder Weihnachten

(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

„Mama, hast Du mal ein großes Blatt? Ich will alles aufmalen, was ich mir zu Weihnachten wünsche“, rief Alexander, „Dunja hat ihres schon fertig, das hat sie mir heute Morgen im Kindergarten gesagt. Sie hat ein ganz großes Blatt ganz voll gemalt, das will ich auch machen.“

„Einverstanden“, meinte Svenja, „aber ich gebe Dir zwei Blätter, das eine ist für Deine Wünsche, auf das andere kannst Du alles malen, was Du verschenken willst.“ „Was ich verschenken will? Aber ich habe doch gar kein Geld“, rief Alexander.

„Du meinst immer noch, man braucht Geld, um etwas zu verschenken? Wir haben doch neulich erst darüber gesprochen, die wichtigen Dinge im Leben kann man nicht mit Geld bezahlen, und jeder kann etwas verschenken, wenn er will.“

„Hm“. Alexander wurde nachdenklich, „meinst Du was von den Dingen, die man nicht sehen kann, Liebe oder Freundschaft oder so?“ „Ja, zum Beispiel, oder Zeit“, antwortete Svenja.

 „Wie mach ich das denn jetzt nun, was soll ich denn auf mein Verschenkeblatt malen?“ fragte Alexander. „Überleg doch mal, was Du schon alles kannst, Du bist ja jetzt schon 6.“

„Ich kann hohe Türme bauen, mit Bauklötzen“, unterbrach sie Alexander, „und ich kann mir die Schuhe alleine zubinden, das kann die Dunja noch nicht, und ich kann was tragen, wenn wir einkaufen, und ich kann Plätzchen ausstechen, und ich kann…“

„Also, das ist ja schon eine ganze Menge“, meinte Svenja, „da weißt Du ja, was Du aufmalen kannst. Dann denk Dir aus, was Du an wen verschenken willst, natürlich nur, wenn Du wirklich willst.“

Alexander überlegte kurz und holte seine Buntstifte. Er malte und malte.
Endlich, nach einer Stunde, war er fertig, und er rief seine Mutter. „Schau mal, was ich alles gemalt habe. Das hier sind 10 hohe Türme, die baue ich für Svens kleine Schwester, Du weißt doch, sie ist erst zwei und hat Spaß, sie umzuwerfen, und Sven hat schon keine Lust mehr, ihr immer neue zu bauen.“ „Und was ist das?“ wollte Svenja wissen. „Das ist der Kasten mit den Kakaoflaschen von dem kleinen Mann von nebenan, da helfe ich ihm, sie hoch zu tragen. Und das sind Schnürsenkel vom Schuh, ich will Dunja zeigen wie das geht mit dem Zubinden. Und das, das verrate ich nicht, das ist für Dich.“

„Schön“, Svenja freute sich, „und wo ist Deine Wunschliste?“ „Ach, die habe ich glatt vergessen“, sagte Alexander. „Die kannst Du ja immer noch später malen, oder morgen“.
„Machst Du eigentlich auch eine Verschenkliste und eine Wunschliste, Mama?“ wollte Alexander wissen. „Nein“, verriet ihm seine Mutter, „die habe ich im Kopf, und manche Geschenke erfinde ich auch, wenn ich in der Stadt bin, weil ich ja nicht nur Leuten was schenke, die ich kenne, sondern auch anderen.“

„Wie geht denn das?“ Alexander wollte es mal wieder ganz genau wissen.
„Du kannst ja am Samstag mitkommen und mir helfen, willst Du?“ „Ja, ja, das will ich sehen“, Alexander war neugierig geworden. Er konnte den Samstag kaum abwarten. Endlich war es soweit. Er sah noch, wie seine Mutter ein kleines Türmchen mit kleinen Münzen, die sie in den letzten Wochen neben der Kaffeedose gesammelt hatte, in die Manteltasche steckte.

Die Busfahrt in die große Stadt dauerte Alexander schon wieder viel zu lange. „Wie geht das denn jetzt mit dem Verschenken, und von was überhaupt?“ wollte Alexander nun endlich wissen. „Wir schauen einfach, wo es etwas zu tun gibt, und dann machen wir das.“

Schon beim Aussteigen aus dem Bus sah er, wie seine Mutter einer alten Frau beim Aussteigen half. „Sieh mal da das Papier, es hat seinen Platz im Abfalleimer noch nicht gefunden.“ Alexander verstand, schnell hob er es auf und steckte es in den Abfallkorb. Dann gingen sie in ein großes Kaufhaus, seine Mutter hielt einer Frau mit einem Kinderwagen die Tür auf. Als nächstes hängte sie einen Pullover, der von der Stange gefallen war, wieder auf. Dann sagte sie einer Verkäuferin anscheinend was Schönes, denn sie lächelte danach. Einer Frau zeigte sie den Weg zur Kasse, und einem alten Mann half sie, eine schwere Tasche zu tragen.
Irgendwas fand sie immer.

„Jetzt gehen wir wieder nach draußen und spielen das Parkuhrenspiel“,
sagte sie und holte ihre Münzen aus der Manteltasche. “Wie geht denn das?“ fragte Alexander. „Parkuhren sind immer hungrig“, erklärte Svenja. „Wenn ein Auto neben ihnen steht, wollen sie immer Münzen essen. Dafür haben sie einen kleinen Mund, der aussieht wie ein Schlitz, siehst Du, hier an der Seite. Wenn man eine Münze hereinsteckt, brummen sie zufrieden. Wenn sie Hunger haben, melden sie sich immer mit einem roten Schildchen, siehst Du, wie da drüben“. Sie zeigte Alexander eine abgelaufene Parkuhr. „Und warum haben sie Hunger?“ „Sie haben einfach von den Autobesitzern nicht genug zu essen bekommen, und oft müssen die Autobesitzer dann eine Strafe bezahlen, aber wenn wir ihnen zu essen geben, nicht.“

Svenja gab ihrem Sohn die erste Münze, und er gab sie einer Parkuhr zu essen. Daneben stand ein großes schwarzes Auto. „Vielleicht gehört das Auto einem Mann, der ganz viel Arbeit hat“, meinte seine Mutter.
Alexander fand schon nach ein paar Schritten noch eine hungrige Parkuhr. Daneben stand ein kleines grünes Auto mit zwei Kindersitzen. „Vielleicht wollten die Kinder noch zum Bäcker“, riet Svenja und gab Alexander die nächste Münze. Jetzt machte  es auch Alexander Spaß, sich Geschichten auszudenken, was die Autofahrer wohl gerade machten. „Vielleicht steht die Frau oder der Mann von dem roten Auto ja gerade in einer Warteschlange“, meinte er. „Und der Besitzer von dem blauen Auto sucht vielleicht gerade einen Weihnachtsbaum aus“, ergänzte Svenja. “Hier ist sogar eine hungrige Parkuhr neben einem kleinen Bus, da passen ja sieben Leute rein“, Alexander hatte nachgezählt. „Vielleicht spielen sie gerade Fußball“, “oder sind kegeln gegangen oder feiern schon Weihnachten“, beeilte sich Svenja, „oder spielen Nachlaufen oder Verstecken.“ Beinah hätte Alexander vergessen, die Münze einzuwerfen.
Nach einer Stunde hatten sie keine Münzen mehr. „Genug für heute“, rief Svenja.

Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle kamen sie noch einmal an dem kleinen grünen Auto mit den zwei Kindersitzen vorbei. Alexander sah noch, wie eine Frau die Parkuhr anstaunte und lächelte. Er drückte die Hand seiner Mutter, irgendwie war es doch ein schönes Spiel gewesen.

 

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