
(Geschichte von Christa Wirth, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)
Dieses Mal freute sich Alexander besonders auf Weihnachten. Er hatte sich einen Baukasten gewünscht, einen richtig großen mit Rädern und Stangen, er wollte sich mal ein Auto zusammenbauen, das auch fahren konnte. Und er war sich fast sicher, dass er ihn auch bekommen würde. Denn kurz vor Weihnachten war seine Mutter einmal alleine mit dem Bus in die Stadt gefahren, und als sie zurückkam, hatte sie viele Pakete dabei, und eins war richtig groß, das hatte er schon durchs Fenster gesehen. Und gerade das große, das brachte sie nicht mit rauf, sondern versteckte es im Keller.
Endlich war der Weihnachtsabend da. Als es nun darum ging, die Geschenke auszupacken, war da tatsächlich ein großes Paket für Alexander. Seltsam leicht fühlte es sich an, und es rappelte auch gar nicht. Und da war er, der Baukasten oder doch nicht? Jedenfalls war da ein Karton, da waren Bauklötze drauf abgebildet, und Räder und Stangen, aber als Alexander den Karton öffnete, war er leer. Fast hätte er losgeheult, was sollte das bedeuten?
Er schaute rüber zu seiner Mutter. Sie hatte gerade sein großes Bild ausgepackt und strahlte. Er hatte sich aber auch richtig viel Mühe gegeben mit dem Bild. Zwei Bäume waren drauf, mit Kirschen dran, ja echt viele Kirschen, das war viel Arbeit, und ein Haus, und eine Rutsche, eine ganz hohe mit vielen Sprossen, noch mal echt viel Arbeit war das gewesen. Und ein Kind hatte er gemalt, sogar ohne Handschuhe, also alle Finger, und er hatte extra nachgezählt und…“das ist aber schön“, wurde er von Svenja in seinen Gedanken unterbrochen. „Das war aber viel Arbeit, da freu ich mich sehr“, und sie drückte ihm einen dicken Kuss auf die Wange.
„Und was ist mit Deinem Geschenk, freust Du Dich auch?“ fragte sie doch tatsächlich, dabei saß er doch vor einem leeren Karton, nur schön bunt war er. “Naja“, zögerte er, was sollte er bloß sagen?
Da fiel Svenja auf, dass irgend etwas nicht stimmte, und sie sah auf einmal auch, dass der Karton leer war. „Ach du liebe Zeit, wie ist das denn passiert?“ fragte sie erstaunt. Da kullerten Alexander doch noch ein paar Tränen übers Gesicht, und Svenja nahm ihn erst mal in den Arm. „Hast Du wirklich gedacht, ich wollte Dir einen leeren Karton schenken?“ Alexander beruhigte sich schnell wieder, „ich wusste ja nicht…“. „Nein, er sollte natürlich gefüllt sein, schau mal, die Klötze, Räder und Stangen sind hier außen abgebildet. Ich hab ihn in dem großen Kaufhaus in der Stadt gekauft, solche Klötze lagen auch im Schaufenster…, oh je, sollte mir der Verkäufer aus Versehen nur den Karton gegeben haben? Und ich Esel habe nichts gemerkt, weil ich sowieso schon so schwer beladen war?
Wir müssen unbedingt gleich nach Weihnachten zum Kaufhaus fahren und nachfragen.“ Da hatte Alexander wieder Hoffnung, dass er doch noch seine Klötze bekommen würde.
„Und jetzt schauen wir mal, was alles auf dem Karton abgebildet ist, und vielleicht können wir ja was ausschneiden und damit spielen.“ Und genau so machten sie es. Alexander holte seine Kinderschere und schnitt zuerst die Räder aus. Svenja holte Klebstoff und alte Garnrollen, und schon wurde die bunte Pappe auf die Garnrollen geklebt. Alexander schnitt weiter aus, und Svenja holte Zahnstocher, Zündholzdosen, Gewürzgläser, Medikamentenschachteln, Gummis, Tesafilm…,und so wurde es ein großes Bastelweihnachten. Beide hatten viel Spaß dabei. Sie schafften es sogar, ein Fahrzeug zu bauen, das fuhr, na ja, wenigstens ein bisschen, wenigstens bergab.
Doch nach Weihnachten beeilten sie sich, um den frühen Bus in die Stadt zu erreichen, um zum Kaufhaus zu gehen. Der Verkäufer erinnerte sich noch an Svenja. „Oh, ich habe Ihnen aus Versehen einen leeren Karton verkauft, das tut mir so leid, ich habe es erst gemerkt, als sie schon weg waren. Es war der Letzte, und die Klötze stehen noch alle im Schaufenster. Da warst Du sicher enttäuscht Weihnachten, oder?“ fragte er Alexander. Der nickte nur verlegen. „Komm, dann darfst Du jetzt ausnahmsweise mit ins Schaufenster gehen und mir helfen, die Klötze herauszuholen, magst Du?“ Alexander strahlte. „Ins Schaufenster? Echt?“
Der Verkäufer reichte ihm die Hand, „und Deine Mutter kann nach draußen gehen. Wenn sie uns beide dann im Schaufenster sieht, kann sie überlegen, wen von uns sie kaufen will.“ Jetzt musste Alexander lachen.
Er ging er mit dem Mann ins Schaufenster und winkte seiner Mutter zu, er schnitt sogar ein paar Grimassen, doch dann beeilte er sich mit dem Einsammeln der Klötze. Endlich hatte er sein richtiges Weihnachtsgeschenk.
Auf dem Weg nach Hause trafen sie Alexanders Freund Sven, und Alexander sagte zu ihm: “Du, ich war heute im Schaufenster, und meine Mutter hat mich gerade gekauft.“ Sven schüttelte den Kopf, „das glaub ich nie“. Alexander lachte und erzählte ihm dann die ganze Geschichte.
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